■ notizen /// SHOP // Stempel / Grün ist leider nicht immer grün

19. Februar 2022

Erst im Oktober hatte ich noch froh verkündet, dass bastisRIKEs Stempel fortan aus Naturkautschuk gefertigt werden. Nun rudere ich wieder zurück und möchte an dieser Stelle ausführlicher erklären, warum dem so ist.

Anlass, das Material erneut zu überdenken, war der Umstand, dass die Naturkautschuk-Platten durch die Bearbeitung mit dem Laser schlicht furchtbar stanken. Das führte sogar zu Unmut unter den Nachbarn meines Flexographen, also meines Stempelmachers.

Ein neues Material wollte gefunden werden. Ein möglichst geruchsarmes. Mein Stempelmacher machte sich auf die Suche und wurde fündig: Stempelplatten, aus Naturkautschuk, hell- statt dunkelgrün, geruchsarm in der Bearbeitung. Geringfügig teurer im Einkauf.

Erleichtert habe ich die Stempelproduktion weiter geführt und neue Motive in Auftrag gegeben.

bastisRIKEs Stempel: Naturkautschuk vs synthetischem Kautschuk -  Grün ist nicht immer grün
Dunkelgrün vs Hellgrün

Neugierig blieb ich dann aber doch. Woraus genau bestehen die hellgrünen Platten und wodurch wird der Geruch des bearbeiteten Naturkautschuks verhindert?

Also habe ich ein Datenblatt angefragt, denn der Katalogtext des Herstellers gab mit Formulierungen a la „made of natural components“, „eco-friendly“ oder „natural rubber“ nicht allzu viel her. Da ich bereits wusste, dass der Begriff Naturkautschuk nicht geschützt ist und am Ende nichts über die detaillierte Materialzusammensetzung aussagt, wollte ich es einfach genauer wissen.

Das Ende vom Lied ist leider kein schönes. Genaugenommen ist es ein Paradebeispiel für Greenwashing: Denn was ich anhand der Inhaltsstoffe herausfand, ist, dass es sich bei dem hellgrünen Material leider nicht wie beworben um Naturmaterial handelt:

Es ist schlicht und einfach grün gefärbter synthetischer Kautschuk.

Was tun? Die Entscheidung für das dunkelgrüne Naturkautschuk-Material hätte einen Wechsel meines Stempelmachers zur Folge gehabt. Da ich seit Jahren vertrauensvoll mit dem Kleinunternehmen zusammenarbeite, hätte ich diesen Schritt nur sehr ungern getan.
Aus diesem Grund habe ich mich erneut mit den möglichen alternativen Materialien auseinandergesetzt und außerdem auch den Naturkautschuk nochmal auf seine Vor- und Nachteile untersucht:

Der wohl größte Vorteil des Naturkauschuks ist, dass es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt. Wenn es um die Fertigung von Stempelplatten geht, ist das aber leider der einzige echte Vorteil, den ich ausfindig machen konnte.

Denn die biologische Abbaubarkeit, die häufig als Vorteil von Naturkautschuk angepriesen wird, ist im Fall der Stempelplatten leider sehr fraglich:

Der Naturkautschuk hat in der Umwandlung zur flexiblen Stempelplatte Prozesse durchlaufen, die dazu führen, dass es sich am Ende nicht mehr um ein reines Naturprodukt handelt.

Wer hierzu mehr erfahren möchte, der befrage eine Suchmaschine mit dem Begriff vulkanisieren von Naturkautschuk. Sicher ist: Auf dem Kompost oder in der Biotonne hat er nichts zu suchen.

Der Rohstoff Naturkautschuk hat zudem lange Transportwege hinter sich: Hauptanbauländer für Naturkautschuk sind Thailand, Indonesien, Malaysia und Vietnam. Des weiteren – und das war letztendlich ausschlaggebend für meine Entscheidung gegen Naturkautschuk – gibt es aktuell keine zertifizierten Naturkautschuk-Stempelplatten auf dem Markt.
Der konventionelle Anbau des Rohstoffs erfolgt in der Regel in Monokulturen und mit hohem Pestizideinsatz. Ohne eine Zertifizierung ist für mich als Verbraucher nicht nachvollziehbar, ob das Material unter ökologischen und sozialen Standards angebaut wurde, die nachhaltig und für die Bäuerinnen und Bauern fair gestaltet sind. Die Vermutung liegt leider nahe, dass dem nicht so ist und für bastisRIKE sind dies Gründe genug, um sich derzeit gegen die Verwendung zu entscheiden. In der Hoffnung, dass die Forschung auch in diesem Bereich nachhaltige Fortschritte in Richtung regionaler, nachwachsender Rohstoffe macht. Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann auch Stempelgummi aus Löwenzahnsaft oder Pflanzenölen.

Bis es so weit ist, werden bastisRIKEs Stempelplatten fortan aus synthetischem Kautschuk gefertigt, dessen Produktion mit kürzeren Wegen, kontrollierten Prozessen und Arbeitsbedingungen einhergeht. Dieser ist erdölbasiert und ja, Plastik bleibt Plastik.
Aber wie so oft gibt es auch hier nicht die nachhaltige Lösung, sondern nur eine unter vielen, die allesamt mit Kompromissen einhergehen.

Möchtet Ihr mehr über Naturkautschuk wissen, dann findet Ihr hier einen Artikel des WWF aus dem Jahr 2021, der Vor- und Nachteile der Produktion beleuchtet. Etwas älter ist dieser Utopia Beitrag von 2018.

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